Mezzanine Kapital als Finanzierungsalternative für den Mittelstand

Die Finanzkrisen in den letzten Jahren sowie die Basel-II-Regelungen führten vermehrt dazu, dass selbst gestandene Unternehmen von Banken immer seltener beziehungsweise nur bei Erfüllung harter Auflagen einen Kredit genehmigt bekommen.

Als Folge dieser Entwicklung konnten viele klein- und mittelständische Unternehmen innovative Ideen nicht umsetzen und auch nicht expandieren.

Der Traum von einer neuen Produktschiene oder einer Erweiterung des Unternehmens muss aufgrund einer Kreditabsage seitens der Bank jedoch nicht zwangsläufig geplatzt sein, da es im Bereich der Unternehmensbeteiligung viele Alternativen der Finanzierung gibt.

Da die Finanzierung durch diverse Formen der Beteiligung jedoch recht neu ist, besteht in diesem Bereich noch eine große Unwissenheit. Verschiedene Schlagwörter werden verwendet, die selbst in der Fachliteratur nicht genau abgegrenzt werden können. Hier bekommen Sie einen Überblick über die verschiedenen Formen des Beteiligungskapitals, um dann Wege aufzuzeigen, wie Unternehmen mit Mezzanine Kapital eine zusätzliche Liquidität erreichen können!

Schlagwörter kurz erklärt

Zum Verständnis der Thematik ist es sinnvoll, die verschiedenen Schlagwörter im Bereich des Beteiligungskapitals zu erklären.


  • Venture Capital, dieses wird häufig auch als Risiko- oder Wagniskapital bezeichnet, welches eine Beteiligung in der ersten Unternehmensphase darstellt.
  • Private Equity, welches der Spätphasenfinanzierung zum Beispiel für die Expansion, den Börsengang oder der Unternehmensnachfolge dient.

In mancher Fachliteratur wird davon ausgegangen, dass das Venture Capital und das Mezzanine Capital ebenso wie das Buy-out, also die geplante Unternehmensübernahme, Bestandteile der Private-Equity-Finanzierung sind.
Diese Auffassung wird nicht zu 100 Prozent geteilt, da sich das Mezzanine Kapital in einem wichtigen Punkt stark von den anderen Formen der Beteiligung unterscheidet.

Mezzanine Kapital – der wichtige Unterschied

Der wichtige Unterschied beim Mezzanine Kapital liegt in der bilanziellen und rechtlichen Einordnung des Kapitals, da diese Geldmittel im Gegensatz zu den anderen beiden Formen der Finanzierung eine Zwischenstufe zwischen Eigenkapital und Fremdkapital darstellen. Deshalb erhielt diese Finanzierungsform auch ihren Namen, der auf den italienischen Begriff „mezzanino“ für Zwischengeschoss zurückgeht. Bei dieser Form der Finanzierung handelt es sich um eine Mischform zwischen einer Eigen- und einer Fremdkapitalfinanzierung.

Wirtschaftlich gesehen stellt das Mezzanine Kapital Eigenkapital dar, bilanziell kann es je nach Ausgestaltung des Vertrags als Eigen- oder Fremdkapital angesehen werden. Steuerrechtlich wird es immer als Fremdkapital angesehen. Unabhängig davon erhält beim Mezzanine Kapital der Kapitalgeber kein Stimmrecht, dies spiegelt den Fremdkapitalcharakter wider.

Im Gegensatz dazu sind bei den anderen beiden Beteiligungsfinanzierungen, besonders beim Venture Capital ist es extrem der Fall, die Kapitalgeber stark in die geschäftliche Ausrichtung mit eingebunden.

Da aber etablierte Unternehmen im Gegensatz zu Start-up-Unternehmen in ihrer Entscheidungsbefugnis nicht eingeschränkt werden wollen, ist das Mezzanine Capital für sie die bessere Alternative. Je nach Wunsch kann dabei bei der Vertragsgestaltung der Eigen- oder Fremdkapitalcharakter überwiegen. Bei der ersten Variante wird das Kapital als Equity Mezzanine bezeichnet und ist bilanzrechtlich als Eigenkapital anzusehen. Typische Formen für diese Finanzierung sind zum Beispiel Genussscheine sowie atypisch stille Beteiligungen. Im Gegensatz zu den Equity Mezzanine stellt das Debt Mezzanine eine Verbindlichkeit, also bilanziell Fremdkapital dar, gilt aber dabei  wirtschaftlich als Eigenkapital. Für eine solche Form der Finanzierung bietet sich zum Beispiel neben dem Nachrangdarlehen auch die typische stille Beteiligung an.

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